Just Community

Just Community in der BNE- Praxiszeitschrift "ventuno"

Zeitungsbericht

Was ist Just Community

 

Der Begriff "Just Community" aus den USA ist kaum zu übersetzen. Grundsätzlich geht es darum, dass sich Menschen demokratische Regeln geben - hier Lehrer- und Schülerschaft - und sich daran halten. Ideen und Projekte werden in kleinen Gruppen vorbereitet und in der Vollversammlung besprochen bis zur Abstimmung. Fritz Oser, Professor an der Uni Freiburg, gilt als Fachmann auf diesem Gebiet. Er betreut das Projekt Nidau seit Sommer 1999 und noch bis Juli 2001. Was geschieht nun konkret? Auf der Primarstufe, von der 1. bis zur 6. Klasse, werden - wie auch auf der Sekundarstufe - je zwei kompetente Schülerinnen und Schüler ausgewählt, welche die Meinung der Klasse an der JC-Konferenz vertreten. So bildet sich die Vorbereitungsversammlung aus zehn Schülerinnen und Schülern sowie zwei Lehrkräften. Je nach Problematik oder Ideenvielfalt wird auch der zuständige JC-Vertreter, hier Wolfgang Althof, beigezogen. Individuelle Vorschläge und kreative Verbesserungsmöglichkeiten werden von den Schülerinnen und Schülern eingebracht und besprochen. Nach einer Stunde kehren die Klassenvertreter in ihren Schulalltag zurück. Die nächsten Konferenzen der Lehrerschaft befassen sich dann mit diesen Vorschlägen. Später findet die so genannte Vollversammlung mit allen Klassen statt. Die vorbereiteten Themen werden hier bis zur Abstimmung diskutiert.

 

Bessere Stimmung

"Die Kommunikation unter den verschiedenen Klassen hat sich eindeutig verbessert", sagt Lehrerin Susanne Bieri über ihre Erfahrungen nach einem Jahr. "Wo früher oft Missverständnisse und Abneigungen herrschten, ist nun eine friedliche und angenehme Atmosphäre eingetreten. Besonders in der Vorbereitungsgruppe ist das verbesserte Klima deutlich zu spüren. Das Auftreten vor der Versammlung ist von einem gestärkten Selbstbewusstsein begleitet, und die Schülerinnen und Schüler wagen vermehrt, ihre Meinungen den anderen darzulegen."

Echte Idylle

( Bieler Tagblatt vom 15.11.01)

joh. Genugtuung bei den Lehrkräften im Balainenschulhaus: der Aufwand für das Projekt "Just Community" war nicht umsonst. An der Arbeitstagung vom vergangenen Freitag orientierten Professor Oser und Wolfgang Althof von der Universität Freiburg über die Ergebnisse der Untersuchung, die sie vor zwei Jahren und im August 2001 durchgeführt hatten. Unter den sechs Rubriken "Haltung zur Schule, Haltung zum unterrichtlichen Lernen, Situation in der Klasse, Selbsteinschätzung, Soziale Einstellung und Soziales Handeln" finden sich fast durchwegs erfreuliche Resultate. Entweder haben die positiven Aspekte zugenommen - z.B. die Lernmotivation - oder die negativen abgenommen - z.B. Ichorientierung und Arbeitsvermeidung beim Lernen.

Ohne auf weitere Einzelheiten einzugehen (Schulleitung und Lehrerschaft geben auf Anfrage gerne nähere Auskunft), darf gesagt werden, dass der Erfolg des Projektes jetzt auch wissenschaftlich belegt ist. Es soll deshalb weitergeführt werden.

 

Fritz Oser freute sich über Probleme, die ihm vorgetragen wurden. Er will, dass Lehrer- und Schülerschaft ein Problem gemeinsam lösen (shared problem) und nicht mit einer Weisung "erledigen". Der Aufwand ist zwar gross, aber im Interesse der Entwicklung von Kindern zu reifen, urteilsfähigen Erwachsenen sind solche Prozesse von grosser Bedeutung.

Wolfgang Althof bezeichnete die Untersuchungsergebnisse als hoch und stabil. Er findet, dass die Kinder hier unter relativ günstigen Bedingungen aufwachsen können. Die äussere Idylle trügt nach seiner Meinung nicht. "Auch im Inneren herrscht Ordnung. Die Kinder wirken beispielsweise erzogen, nicht verwahrlost. Sie zeigen viele Interessen, Respekt und Anstand, sie übernehmen Verantwortung und engagieren sich. Der grosse Einsatz von Elternhaus und Schule lohnt sich."